5. April 2025 | Druckansicht

Eisberg-Modell

Welche Verbindung hat der Eisberg mit der Bildung?

These
Mit dem Gelernten verhält es sich wie mit einem Eisberg; nur etwa ein Zehntel ist im Bewusstsein (explizites Wissen). Nur diesen Teil können wir in Worte fassen oder anders bewusst ausdrücken. Die restlichen 90 % des Gelernten liegen unterhalb der Bewusstseingrenze (implizites Wissen / Tiefenwissen - kann nicht einfach sprachlich ausgedrückt werden).

Der Mensch würde, wenn er sich allein auf seine rationalen Fähigkeiten beschränkte, nicht sein gesamtes Potenzial ausschöpfen. Nicht nur, dass unser Unterbewusstsein die meisten unserer Handlungen quasi automatisch steuert und uns so von einer bewussten Steuerung entlastet, sondern auch, weil die vielen über unsere Sinne aufgenommenen und im Unterbewusstsein gespeicherten Informationen unser Denken beeinflussen. So ist der Mensch in der Lage, sich an neue Situationen anzupassen, Chancen zu nutzen oder Neues zu Erfinden, wenn er sein Denken von "Ahnungen" und anderen "Irrationalitäten" leiten lässt.
 
Bewusstsein und Unterbewusstsein bilden zusammen eine Einheit. Die Spitze, die oberhalb der Bewusstseingrenze sichtbar ist, wird vom darunterliegenden Teil getragen und gestützt.
 
Insbesondere für Unternehmen heißt das: Echte Innovationen gibt es erst, wenn implizites und explizites Wissen immer wieder miteinander interagieren.
 
 
Eisberg-Theorie nach Freud
Nach der Eisberg-Theorie von Sigmund Freud gleicht die menschliche Bewusstseinsbildung einem Eisberg.
 
Alle drei Bereiche der Persönlichkeit (Unbewusstsein/Bewusstsein/Gedächtnis) werden durch die Wahrnehmung beeinflusst und wirken zur Urteilsbildung mit. ( bewu ss te/unbewu ss te Motivation, auch manipulierbar).
 
 
Lernen
Das Lernen hat mit der Beschäftigung und Entdeckung von Lernstrategien zu tun, mit der inneren Struktur und Organisation des Lernens.
 
Lernen in diesem Verständnis meint nicht nur die Prozesse der inneren Aneignung beziehungsweise Verinnerlichung neuen Wissens und neuer Handlungsmöglichkeiten, sondern ist vielmehr als kreative Neu-Konzeptionierung zu verstehen. Lernen enthält als kreative innere Konstruktion und Erfindung einen viel größeren Freiheitsraum; es geschieht aktiv, eigenbestimmt, oft genug gänzlich ohne gezielte Aufmerksamkeit, eher dynamisch und spontan.
 
Zentraler Anspruch an Lehr- und Lernbeziehungen heute ist die Optimierung von Handlungskompetenz in fachlicher, methodischer, sozialer und ökologischer Hinsicht und der unterstützende Umgang mit Selbstorganisationsprozessen.
 
Auch hier kann das Eisberg-Prinzip als Modell betrachtet werden, das neben der sichtbaren, sachlogischen Ebene auch die unsichtbare, emotionale Ebene berücksichtigt. Gemäß dem Eisberg-Prinzip erzeugt die sachlogische Ebene (Strategie, Strukturen, Prozesse und Funktionen) eine Hebelwirkung von nur ca. 10% und die emotionale Kultur-Ebene (Beziehungsprozesse, Sozialkompetenz, Einstellung und Motivation) eine Hebelwirkung von ca. 90% bei erfolgreichen Veränderungsprozessen.
 
Das heißt nicht, dass man auf die 10%-Ebene verzichten kann. Man braucht beide Ebenen, intelligent kombiniert.